Heute mal ohne Bild und seit langem wieder mal ein Post, die Umstände zwingen mich geradezu zum Schreiben. Seit dem Beben und seinen Folgen sind nun einige Tage vergangen und endlich!! scheint sich die deutsche Presse ein wenig zu beruhigen. Langsam gewinnen die kühlen Köpfe ihr Territorium zurück und emotionale Aufrufe ohne jegliche Faktenbewusstsein werden weniger.
Ich habe über zehn Jahre in Sendai gelebt und stehe in direktem Kontakt mit mehreren Menschen vor Ort und Sendai steht noch, das kann ich eindeutig bestätigen. Es irren nicht zigtausende Kinder durch die Ruinen und suchen ihre Eltern, wie so manche Hilfsorganisation sensationsgierig schreibt, Sendai war auch nicht das Epizentrum des Bebens, was an Land bei einem Seebeben immer schwierig ist und die Menschen bewahren Ruhe und zeigen Nervenstärke.Und nein, ihnen steht auch nicht der Sinn, sich schweigend an den Händen zu halten und Kerzen aufzustellen. Sie sind allzu damit beschäftigt mit dem täglichen Überleben in einer abgeschnittenen Region. Das spricht nicht von Gefühlskälte sondern von Pragmatismus und es ist immer leicht, ihnen das gemütlich vom sicheren Sofa aus vorzuwerfen. Ich ärgere mich auch persönlich, wenn seit Sonntag am Kriegerdenkmal unseres kleinen Örtchens ein Pappschild mit Blumen und Kerzen steht: “Wir trauern um die Atomtoten Japans”. Fukushima ist eine Tragödie und wir alle bangen um den Ausgang der Katastrophe . Aber das bitte mit Verstand und ohne Hysterie.